: Auf einen Espresso mit Erich Nagl: Personalmangel beim Neustart

Auf einen Espresso mit Erich Nagl: Personalmangel beim Neustart

 

 

Nach einer langen Zeit des erzwungenen Stillstandes sind Hotellerie und Gastronomie wieder bereit zum Durchstarten. Als kompetenter Partner steht ETL ADHOGA den Branchen zur Seite und unterstützt sie mit ganzer Kraft beim Neustart. Im neuen Interview-Format „Auf einen Espresso mit Erich Nagl“ wirft der Leiter von ETL ADHOGA ab sofort regelmäßig einen Blick auf die wichtigsten Themen der Gastronomie und Hotellerie, beleuchtet aktuelle Herausforderungen und gibt Empfehlungen, damit die Betriebe sich wieder ganz auf ihr Kerngeschäft fokussieren können.

In der ersten Folge spricht Erich Nagl über die Personalsorgen der Branche und plädiert für einen umfassenden „Reset“, um den Job im Gastgewerbe wieder attraktiv zu gestalten.

In einem exklusiven Zusatz-Interview zum Start des neuen Interview-Formats skizziert Erich Nagl, welche Möglichkeiten Unternehmer jetzt haben, um qualifiziertes Personal langfristig zu überzeugen und den „Reset“ zu gestalten. Das Video ist hier in voller Länge verfügbar:

Herr Nagl, nach einem Corona-bedingten monatelangen Lockdown dürfen Gastronomen und Hoteliers nun – bei Beachtung von Inzidenzwerten und unter Hygieneauflagen deutschlandweit wieder öffnen. Die allermeisten Betreiber dürften diesem Moment sehnsüchtig entgegengefiebert haben und motiviert sein, wieder loslegen zu dürfen. Dennoch verläuft die Wiedereröffnung für viele Gastronomen schwieriger als erwartet. Woran liegt das?

Ein Espresso, wie es im Titel heißt, „zwingt“ geradezu zu schnellen Antworten. Es liegt einmal an den Regelungen, die es teilweise schwierig machen zu starten. Aber vielmehr liegt es an den fehlenden Fachkräften. Mir ist momentan kein Hotelier oder Gastronom bekannt, der nicht sofort jemanden einstellen würde, wenn ihn jemand fragt.

Ist das Problem bezifferbar?

Ja. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga ist im Herbst vergangenen Jahres noch von rund 300.000 Arbeitsplätzen ausgegangen, die der Branche verloren gegangen sind. Nach jüngsten Schätzungen sind es 130.000. Es haben also auch Arbeitskräfte zurückgefunden. Aber dennoch handelt es sich um eine immense Zahl. Und das spürt man in der Branche und in den Betrieben. Und gerade wenn der Aufwand durch Einchecken der Gäste usw. steigt, bindet das Mitarbeiter, die in dieser Zeit nicht bedienen können. Das verschärft das Problem natürlich zusätzlich.

Konnte die Kurzarbeiterregelung das Personalproblem zumindest abfedern?

Das kann ich für das Gastgewerbe nicht bestätigen. Zwar hat die Kurzarbeiterregelung zweifelsohne geholfen. Nur darf man nicht vergessen, dass die Anstellungsverhältnisse im Gastgewerbe unterschiedlich sind. Hier haben wir sehr viele Teilzeitbeschäftigte. Und die haben von den Kurzarbeiterregeln wenig profitiert. Und wir dürfen nicht vergessen: Auch das Trinkgeld spielt im Gastgewerbe, besonders im Service, eine überragende Rolle. Dafür gab es keine Kompensationen. Denn demjenigen, der als Servicekraft in der Gastronomie sein Geld verdient und einen tollen Job macht, uns als Gäste begeistert und einen schönen Abend beschert, gibt man gerne Trinkgeld. Und der rechnet auch damit als Einnahmequelle. Es ist falsch für diese Mitarbeiter*innen den Corona Bonus von 1.500 EUR nur für den Auszahlungszeitraum zu verlängern. Es ist angemessen und überfällig hier den Betrag mindestens zu verdoppeln. Das würde einen beruflichen Wiedereinstieg in die Gastronomie und Hotellerie erleichtern und den gebeutelten Unternehmen der Branche helfen.

 

„Wer in der Gastronomie beschäftigt ist, ist arbeiten gewöhnt. Zumal Menschen aus dem Gastronomie-Bereich mit anderen Menschen umgehen können!“

Was ist, wenn angesichts der bevorstehenden Urlaubssaison der Tourismus wieder ins Laufen kommt? Besteht die Gefahr, dass sich die zwei Branchen gegenseitig die Fachkräfte wegnehmen?

Zwischen Gastronomie und Hotellerie habe ich weniger Angst bezüglich eines verschärften Konkurrenzkampfes um Fachkräfte. Viel mehr Sorgen bereitet mir, wenn z.B. Start-ups versuchen, Mitarbeiter aus der Gastronomie zu Vertriebsmitarbeitern für Tech-Branchen zu machen. Wobei das nicht verwundert. Denn wer in der Gastronomie beschäftigt ist, ist arbeiten gewöhnt. Zumal Menschen aus dem Gastronomie-Bereich mit anderen Menschen umgehen können! Man denke hier zum Beispiel an die vielen ehemals in der Gastronomie oder dem Nachtleben Beschäftigten, die zwischenzeitlich in den vielen Corona-Testcentern Arbeit gefunden haben. Nicht zu vergessen, dass auch andere Branchen unter Fachkräftemangel leiden und nun „fette Beute wittern“.

 

„Ich bin aber überzeugt davon, dass das Miteinander und die gegenseitige Wertschätzung in der Krise enorm gestiegen sind.“

 

 

Die Gastronomie galt lange als „risikofreie“ Branche für Jobsuchende. Das dürfte sich nun geändert haben, zumal die Pandemie eingedämmt, aber noch nicht besiegt ist. Wie können Gastronomen dem Personalmangel begegnen? Welche Möglichkeiten haben sie, um Fachkräften und Hilfskräften den Job in der Gastronomie wieder schmackhaft/attraktiver zu machen?

Zwar wird sich die allgemeine Wahrnehmung seit der Corona-Pandemie etwas verschoben haben, gleichwohl halte ich das Gastgewerbe für relativ krisensicher. Solche Situationen haben auch andere Branchen schon getroffen, man denke nur an die Solarproduktion etc. Da sind Jobs dauerhaft weggefallen. Das ist im Gastgewerbe zum Glück nicht der Fall. Und wenn wir die zeitlichen Abstände zwischen Pandemien solchen Ausmaßes betrachten, liegen dazwischen viele Generationen von Arbeitnehmern, denen das Gastgewerbe ein sicherer Hafen ist. Soweit ich es beurteilen kann, haben in den Monaten des Lockdowns alle Unternehmer alles getan, um Führungskräfte und Festangestellte zu halten. Wir müssen aber konkret darüber nachdenken, wie sich das Gastgewerbe als Branche weiterentwickeln kann, um auch in Zukunft als attraktiver Arbeitgeber bestehen zu können. Der Restart muss als Reset wahrgenommen und umgesetzt werden. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es auch in Zukunft Menschen gibt, die von Herzen gerne andere bewirten, die für das Gastgewerbe geschaffen sind, sich darin wohl fühlen und in anderen Berufen nicht glücklich werden. Und ich bin überzeugt davon, dass das Miteinander und die gegenseitige Wertschätzung in der Krise enorm gestiegen sind – sowohl zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer als auch von Seiten der Gäste. Und das könnte ein Beitrag sein, den Arbeitsplatz in der Gastronomie und Hotellerie wieder attraktiver zu machen.

 

„Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen“

Vielleicht noch ein persönlicher Ausblick zum Schluss: Können die Branchen diesen Personalmangel zeitnah auffangen? Ist die laufende Sommersaison geeignet, Optimismus zu verbreiten und nach der schwierigen Zeit wieder hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken?

Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen. Für dieses Jahr wird es aber schwierig bleiben, so ehrlich muss man sein. Aber es wird eine Weichenstellung in eine sehr viel professionellere Zukunft für Gastronomie und Hotellerie vorgenommen werden. Insofern sehe ich sehr zuversichtlich in die Saison 2022 und drücke allen Unternehmern ganz fest die Daumen, dass sie jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, um nächstes Jahr wieder richtig Luft zu holen, solange es noch den verminderten Steuersatz auf Speisen in Restaurants gibt.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

(Stand: 28.07.2021)

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